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Summer School 2010

Das Lehr- und Forschungszentrum Lateinamerika der Universität zu Köln veranstaltete vom 16. bis 20. August 2010 eine Summer School zum Thema "Entwicklungspolitik".

Das Interesse an diesem Bereich ist als Forschungsthema, aber auch als späteres Berufsfeld sehr groß. Dies belegen nicht zuletzt die Praktika, die Studierende besonders in der Entwicklungszusammenarbeit absolvieren und die große Zahl von AbsolventInnen, die hier ihre berufliche Zukunft gefunden haben. Dem wolte das Lehr- und Forschungszentrum Lateinamerika auch von universitärer Seite gerecht werden und den Studierenden in Form dieser Summer School studienbegleitend und in kompakter Form einen fundierten Einblick in die Strukturen und Hintergründe der Entwicklungspolitik ermöglichen.

Während am Montag und Dienstag drei parallele ganztägige Seminare stattfanden, diente der Mittwoch dem Einblick in die Berufsmöglichkeiten. An den letzten beiden Tagen konnten die Studierenden in Form eines Planspiels ihr erworbenes Wissen exemplarisch umzusetzen.

Rückblick Summer School 2010

Die SummerSchool 2010 ist vorbei. Wir hatten eine interessante, informative und unterhaltsame Woche mit euch. Für den wunderbaren Verlauf der SummerSchool möchten wir uns auf diesem Wege nochmals bei allen TeilnehmerInnen und ReferentInnen bedanken. Einen kleinen Bericht mit Fotos gibt es hier als pdf.

Programm

16.8. Montag
Seminar I "Bildung für Alle oder ein Privileg der Wenigen? Bildungspolitik in Entwicklungsländern zwischen Anspruch und Realität" (Stefan Peters, Universität Kassel)
Seminar II "Konstanten und Veränderungen der Entwicklungszusammenarbeit" und "Soziale Kohäsion in Lateinamerika" (Christian von Haldenwang, DIE)
Seminar III "Entwicklungsländer, Globalisierung und Global Governance" (Bettina Führmann, Universität Siegen)
17.8. Dienstag
Seminar I "Bildung für Alle oder ein Privileg der Wenigen? Bildungspolitik in Entwicklungsländern zwischen Anspruch und Realität" (Stefan Peters, Universität Kassel)
Seminar II "Gut gemeint statt gut gemacht? Eine Einführung in das Thema Aid Effectiveness" (Clara Brandi und Florence Dafe, DIE)
Seminar III "Entwicklungsländer, Globalisierung und Global Governance" (Bettina Führmann, Universität Siegen)
18.8. Mittwoch
Exkursion nach Bonn
Besuch verschiedener entwicklungspolitischer Institutionen
19.8. Donnerstag
Planspiel "Welthandel und Entwicklung"
(Simon Raiser und Björn Warkalla, Planpolitik)
20.8. Freitag
Planspiel "Welthandel und Entwicklung"
(Simon Raiser und Björn Warkalla, Planpolitik)

 

Seminar I: "Bildung für Alle oder ein Privileg der Wenigen? Bildungspolitik in Entwicklungsländern zwischen Anspruch und Realität" (Stefan Peters, Kassel)

Bildung ist ein entwicklungspolitisches Schlüsselthema. Verschiedene internationale Entwicklungsorganisationen geben bildungspolitischen Fragestellungen hohe Priorität. Dennoch weisen die Bildungssysteme in Entwicklungsländern auch nach der weltweiten Bildungsexpansion der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer noch große Defizite auf. Insbesondere die Bildungsungleichheit ist ein zentrales Problem der Bildungspolitik (nicht nur) in Entwicklungsländern. Dies manifestiert sich sowohl im Bildungszugang und –verbleib als auch in der Bildungsqualität und der sozialen Wertschätzung der erworbenen Bildungszertifikate. Soziale Ungleichheiten werden im Bildungssystem nicht etwa abgebaut sondern tendenziell reproduziert. Eine Verbesserung der Bildungssituation der Bevölkerung muss deshalb mit einer Reduzierung der Bildungsungleichheit einhergehen.

Nach einer allgemeinen Einführung in die Entwicklungspolitik sollen im Seminar zunächst zentrale soziologische und entwicklungspolitische Bildungstheorien vorgestellt werden. Hierbei werden Fragen des Zusammenhangs zwischen Bildung und wirtschaftlicher, sozialer und politischer ‚Entwicklung’ diskutiert. Anschließend sollen die zentralen Problemfelder der Bildung und der Bildungsungleichheit in Entwicklungsländern herausgearbeitet werden. Schließlich gilt es verschiedene Bildungspolitiken kritisch auf ihre Eignung zur Verbesserung der Bildung und zur Reduzierung der Bildungsungleichheit zu überprüfen. Dabei sollen nicht nur bildungspolitische Ansätze aus dem Norden bzw. von internationalen Entwicklungsorganisationen sondern ebenso innovative Ansätze aus dem globalen Süden – insbesondere aus Lateinamerika – behandelt werden.

 

Seminar II (Montag): "Konstanten und Veränderungen der Entwicklungszusammenarbeit" und "Soziale Kohäsion in Lateinamerika" (Christian von Haldenwang, DIE)

Dieses Seminar gliedert sich in zwei Teile. Der Vormittag dient der Darstellung von Konstanten und Veränderungen in der Entwicklungspolitik. Dabei wird Entwicklungspolitik auch in Hinblick auf nationale und internationale Sicherheits-, und Friedenspolitik sowie globale Strukturpolitik thematisiert. Unterschiedliche Handlungsfelder und Zielebenen werden identifiziert.
Im Mittelpunkt steht eine kritische Betrachtung der deutschen Entwicklungspolitik sowie der aktuellen Reformprozesse.

Der zweite Teil des Seminars beschäftigt sich mit den Thema „Soziale Kohäsion in Lateinamerika“. Analysiert werden in diesem Zusammenhang neben wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen sowie der politischen Agenda, auch sogenannte subjektive Indikatoren wie Partizipation und Zustimmung zur Demokratie, die ein differenziertes Bild sozialer Kohäsion möglich machen.

 

Seminar II (Dienstag): "Gut gemeint statt gut gemacht? Eine Einführung in das Thema Aid Effectiveness" (Carla Brandi und Florence Dafe, DIE)

Die Wirksamkeit der Entwicklungshilfe wird seit Jahrzehnten heiß diskutiert: Auf der einen Seite stehen die Befürworter von Entwicklungshilfe, die mit Jeffrey Sachs, aber auch zahlreichen Prominenten wie Bono oder Bob Geldof, prominente Vertreter gefunden haben und sich für eine Erhöhung der Entwicklungshilfe einsetzen. Auf der anderen Seite stehen Kritiker wie Milton Friedman, Peter Bauer und William Easterly, die anführen, dass Entwicklungshilfe schlechte Regierungsführung befördert, nationale Eliten bereichert, die Entwicklung des Privatsektors in Entwicklungsländern verhindert oder schlicht verschwendet wird. Bislang kam diese Kritik vor allem aus der westlichen entwicklungspolitischen Gemeinde, in den letzten Jahren haben jedoch auch zunehmend Kritiker aus den Entwicklungsländern selbst, wie etwa Dambisa Moyo aus Sambia, an der Debatte beteiligt. Sind die Argumente der Kritiker berechtigt, ist Entwicklungshilfe nicht nur wirkungslos, sondern vergrößert die Armut und das Leid zahlreicher Menschen in Entwicklungsländern.

Im Seminar sollen die Argumente und Befunde der Aid Effectiveness Debatte analysiert und diskutiert werden. Dabei stehen drei Fragen im Vordergrund: hat Entwicklungszusammenarbeit zu Armutsbekämpfung beigetragen? Hat Entwicklungszusammenarbeit dazu beigetragen, die Armut in Entwicklungsländern zu erhöhen? Und: gibt es effektivere Wege zur Armutsbekämpfung?

 

Seminar III: "Entwicklungsländer, Globalisierung und Global Governance" (Bettina Führmann, Siegen)

In diesem Seminar werden die Grundlagen zum Thema "Entwicklungsländer und Globalisierung" vermittelt. Im Zentrum des Interesses stehen neben grundlegenden Entwicklungsproblemen und Begriffen, die Ziele und Strategien von Entwicklungspolitik sowie das Verhältnis von Globalisierung und Entwicklungsländern bzw. Globalisierung und Entwicklungspolitik. Thematisiert werden aktuelle Fragen wie: Gehören Entwicklungsländern zu den Globalisierungsgewinnern oder –verlierern? Kann Entwicklungspolitik global gestaltet werden? (Wie) Können Globalisierungsprozesse aus entwicklungspolitischer Sicht gesteuert und gestaltet werden?

 

Exkursion nach Bonn

09.30
Germanwatch e.V. Bonn / Vereinte Nationen UN Campus Bonn / Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (Aufteilung der Gruppe)

12.00
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Mittagessen in der Kantine des BMZ

15.30
Friedrich-Ebert-Stiftung

 

Planspiel "Welthandel und Entwicklung"

Die Studierenden lernen an diesen beiden Tagen, wie internationale Entscheidungsprozesse ablaufen. Inhaltlich wird es um die Ausarbeitung einer Resolution zu den Themen Welthandel und Entwicklung gehen. Dazu werden die Studierenden in mehrere Gruppen (verschiedene Staaten, eine UN- und eine Presse-Gruppe) aufgeteilt. Die Interessen und Positionen sollen dabei weitgehend den realen Interessen und Positionen der teilnehmenden Staaten entsprechen. Zudem werden in den Verhandlungen derzeit auch in der Realität diskutierte Fragen und Problemen behandelt.