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Ringvorlesung Lateinamerika: WS 2014/2015

Seit vielen Jahren veranstalten das Zentrum Lateinamerika (CLAC) und der Arbeitskreis Spanien-Portugal-Lateinamerika (ASPLA) eine interdisziplinäre Ringvorlesung zu kultur-, politik- und wirtschaftswissenschaftlichen Themen mit Lateinamerikabezug. Die Vortragsreihe richtet sich an Studierende aller Fakultäten der Universität zu Köln, an GasthörerInnen, LehrerInnen und SchülerInnen sowie die interessierte Öffentlichkeit und umfasst Beiträge herausragender nationaler und internationaler ExpertInnen verschiedener Fachbereiche.

Religionen in Lateinamerika

Im Wintersemester 2014/15 widmet sich die Ringvorlesung Lateinamerika den Themenfeldern Religion und Kirche.

Lateinamerika gilt als die Region mit der höchsten religiösen Homogenität, so bekennen sich im 21. Jahrhundert offiziell mehr als 90% der Bevölkerung zum christlichen Glauben. Das Christentum nimmt somit einen zentralen Stellenwert ein, was vor allem auf die Missionierung zu Zeiten der spanischen und portugiesischen Eroberung zurückzuführen ist. Auch wenn die katholische Kirche mit heutzutage etwa 80% der Gläubigen die größte Anhängerschaft findet, spielen jedoch historisch wie aktuell auch andere Glaubensrichtungen eine bedeutende Rolle und fordern die Positionierung der katholischen Kirche in vielfältiger Weise heraus.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe wird diese religiöse Vielfalt Lateinamerikas aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen beleuchtet. Einführend soll der Einfluss der mit der Kolonialgeschichte verflochtenen Missionierungen auf die Entwicklung der religiösen Situation Lateinamerikas behandelt werden. An diese historische Betrachtung anknüpfend werden die Verflechtungen von Politik und katholischer Kirche untersucht, wobei ein spezieller Fokus auf die Bedeutung des Katholizismus während der Militärdiktaturen im 20. Jahrhundert gelegt werden soll. Exemplarisch wird der Einfluss theologischer Diskurse sowohl als Legitimation für die Gewalt als auch auf sein Widerstandspotenzial, vor allem in Form der Befreiungstheologie, untersucht. Neben dem Schwerpunkt auf der historischen, gesellschaftlichen und politischen Bedeutung des Christentums, wird auch die zentrale Rolle indigener sowie afroamerikanische Religionen in Lateinamerika beispielhaft herausgestellt. Neue Entwicklungen sowie die aktuell zunehmende Bedeutung anderer Religionen sollen anhand ausgewählter Aspekte thematisiert werden. Im Mittelpunkt stehen hierbei die massive Ausbreitung evangelikaler Kirchen sowie der Einfluss von Religionen und Glaubensgemeinschaften auf verschiedene Dimensionen des Lebens der lateinamerikanischen Bevölkerung.

Termine im Wintersemester 2014/2015

Die Ringvorlesung Lateinamerika findet jeweils donnerstags von 17:45-19:15 in Raum S25 im Seminargebäude statt.

09.10.2014 Einführung Holger Meding, Köln
16.10.2014 Colonización y conversión en América Latina Gabriela Ramos, Cambridge
23.10.2014 Das Christentum als Machtfaktor in der Geschichte Lateinamerikas Hans-Jürgen Prien, Lübeck
30.10.2014 Es lebe das Leben – der Día de Muertos in Mexiko Ana-Laura Lemke, Köln
06.11.2014 Betrachtung des Candomblé und der Evangelikalen im laizistischen Staat Brasilien Albertino Moreira da Silva, Köln
13.11.2014 Franziskaner – Dominikaner – Jesuiten. Zur Rolle der Orden bei der Christianisierung der indigenen Völker Amerikas Johannes Meier, Mainz
20.11.2014 Theologie für eine andere Welt: Ursprung, Entwicklung und aktuelle Relevanz der lateinamerikanischen Befreiungstheologie Christine Unrau, Duisburg
27.11.2014 Vorlesungsausfall Vorlesungsausfall
04.12.2014 „Wir haben unserem alten Menschen abgeschworen“– Religiöse Konversion und die neue Unübersichtlichkeit bei Nahuas in Guerrero, Mexiko Henry Kammler, München
11.12.2014 „Nationale Sicherheit“ oder Verteidigung der Menschenrechte? Die katholische Kirche in den Militärdiktaturen Chiles und Argentiniens, 1970-1990 Silke Hensel, Münster
18.12.2014 Religion(en) und die „Verschwundenen“ Liliana Feierstein, Berlin
08.01.2015 Santería und andere Widerstandsreligionen Michael Zeuske, Köln
15.01.2015 Politik des Heiligen Geistes in Zentralamerika. Soziale Strategien der charismatischer Christen Heinrich Schäfer, Bielefeld
22.01.2015 Rechtsextremer Antimodernismus – auch ein Teil des lateinamerikanischen Katholizismus Gerhard Kruip, Mainz
29.01.2015 Hagamos lio – Franziskus, Papst „vom Ende der Welt“, Baumeister einer neuen Kirche? Daniel Deckers, Frankfurt

Colonización y conversión en América Latina

16.10.2014 (Gabriela Ramos, Cambridge)

Esta comunicación tratará sobre la relación entre conquista, conversión y colonización en Hispanoamérica. Se examinarán los debates sobre la pertinencia y la manera más efectiva de cristianizar a los habitantes del Nuevo Mundo. Luego de una breve discusión sobre la manera cómo la historiografía ha estudiado estos asuntos, nos detendremos en los métodos de conversión religiosa, enfocándonos en el caso de los Andes del Perú.

Das Christentum als Machtfaktor in der Geschichte Lateinamerikas

23.10.2014 (Hans-Jürgen Prien, Lübeck)

Der Vortragende vertritt die These, dass ohne das Wirken der Militärkaplane auf den Eroberungszügen, ohne ein Heer von Ordens- und Weltgeistlichen, die die theologische Ideologie zur Rechtfertigung von Sklaverei bzw. Zwangsarbeit in den Kommenden christlich bemäntelten, dass ohne Reduktionen in den Grenz- und Krisengebieten, ohne die Indoktrination u.a. des 4. Gebotes im Sinne der Gehorsamspflicht nicht nur gegenüber den Eltern, sondern auch gegenüber den Königen und allen Herren, die in ihrem Namen wirkten, ohne die Beichte als Zwangsinstrument völliger Kontrolle des Denkens und Handelns und ohne die Androhung von Höllenstrafen eine dauerhafte Beherrschung der Weiten des amerikanischen Kontinents nicht möglich gewesen wäre, denn weder Kastilien noch Portugal verfügten über die Ressourcen, in Amerika riesige Besatzungsarmeen zu unterhalten. Außerdem hätte sich das Kolonialunternehmen dann nie gerechnet.

Am Beispiel der Manipulation des Kultes der Jungfrau von Guadalupe in Mexiko durch die Hierarchie lässt sich zeigen, dass die Kath. Kirche auch heute noch ihre Machtbasis und ihre Einkommensquellen auf theologisch dubiose Weise verteidigen kann und das Rom nicht ohne Grund Vertretern einer Theologie der Befreiung sehr kritisch gegenüberstand.

Es lebe das Leben – der Día de Muertos in Mexiko

30.10.2014 - (Ana-Laura Lemke, Köln)

„Der Kult des Todes ist, wenn er tiefgründig und vollkommen ist, auch ein Kult des Lebens. Beide sind untrennbar. Eine Kultur, die den Tod verleugnet, verleugnet auch das Leben.“* – Octavio Paz –

Die vorspanischen Gesellschaften Zentralmexikos verstanden Leben und Tod als eine unzertrennliche Dualität: Sie bestimmten sich gegenseitig und das Eine erging sich unweigerlich in dem Anderen. In ihrem rituellen Kalender kannten sie zwei Gedenktage die den Verstorbenen gewidmet waren; die Opfergaben dieser Tage – Speisen, Getränke, Musik – erinnerten und feierten aber vielmehr ihr Leben und betrauerten weniger den Tod. Diese Tradition erhielt sich auch nach der Eroberung und fand Eingang in die Feierlichkeiten zum christlichen Allerseelen und Allerheiligen. Aus ihrer synkretischen Verschmelzung mit der katholischen Liturgie entstand der Día de Muertos: Eine zwei Tage und eine Nacht andauernde Feierlichkeit, die irgendwo zwischen ausgelassener Festlichkeit und ernster Andacht anzusiedeln ist.

Zeiten und Symbole ändern sich: Die vorspanischen Amarant-Totenköpfe sind solchen aus Zuckerguss und Schokolade gewichen und zunehmend sieht man statt Totenköpfen nun orange-schwarze Kürbisse und Hexen. Aber das gemeinsame Gefühl, der Grundgedanke, durch das Andenken an die Verstorbenen ihres und das Leben im Allgemeinen zu feiern, bleibt bestehen. Die Symbole, Feierlichkeiten und Traditionen rund um den mexikanischen Día de los muertos sind Ausdruck der sich ständig weiter wandelnden Hybridität der mexikanischen Kultur, in die Elemente der indigenen vorspanischen Gesellschaften, der europäischen Kolonialisierung und heute auch der US-amerikanischen Kultur Eingang gefunden haben.

*Paz, Octavio (1970): Das Labyrinth der Einsamkeit. Olten, Freiburg: Walter.

Betrachtung des Candomblé und der Evangelikalen im laizistischen Staat Brasilien

06.11.2014 (Albertino Moreira, Köln)

Brasilien ist ein facettenreiches Land, auch was Religionen anbelangt. Die verschiedensten philosophisch-religiösen Strömungen haben dort innerhalb von fünf Jahrhunderten Geschichte zur Entstehung eines faszinierenden religiösen Mosaiks beigetragen. In diesem Vortrag soll zuerst einmal diese Entwicklung chronologisch dargestellt werden. Eine vergleichende Betrachtung des „povo de santo“ und der „Evangélicos“ – Verfechter zweier durchaus antagonistischen Philosophien – soll veranschaulichen, in wie weit die friedliche Koexistenz der verschiedenen Religionen im laizistischen Staat Brasilien nach wie vor ein Desiderat bleiben.

Anlässlich der jüngsten parlamentarischen Wahlergebnisse wird die Frage diskutiert, in wie fern streng religiöse Politiker die Entwicklung der brasilianischen Demokratie beeinflussen können.

Franziskaner – Dominikaner – Jesuiten. Zur Rolle der Orden bei der Christianisierung der indigenen Völker Amerikas

13.11.2014 (Johannes Meier, Mainz)

Viel stärker als in Mitteleuropa ist die Kirche in Lateinamerika von den missionierenden Orden geprägt worden. Deshalb ist ihr der Sendungsgedanke des Evangeliums sehr vertraut. An Papst Franziskus lässt sich das spüren. Der Vortrag schaut in das 16./17. Jahrhundert zurück. Wie gingen die Orden vor, welche  theologischen Akzente setzten sie in ihrer Arbeit, welche Wirkungen erzielten sie, möglicher weise  bis heute? Diese Fragen können im Blick auf einzelne Akteure der Zeit beantwortet werden.

Theologie für eine andere Welt: Ursprung, Entwicklung und aktuelle Relevanz der lateinamerikanischen Befreiungstheologie

20.11.2014 (Christine Unrau, Duisburg)

Mit der Entstehung der Befreiungstheologie in den späten sechziger Jahren wandelt sich das Christentum in Lateinamerika von einem Stützpfeiler des Status Quo zu einer Motivationsquelle für politisches Engagement gegen die bestehenden Verhältnisse. Sie ist damit in mehrfacher Hinsicht Theologie für eine andere Welt: Sie hat in der Welt der lateinamerikanischen, unterdrückten Bevölkerung ihren Ursprung und sie verknüpft die Orientierung des Christentums auf das Reich Gottes, das „nicht von dieser Welt“ (Joh. 18,36) ist, mit dem konkreten Bemühen für eine bessere Welt. Nicht zuletzt trägt sie seit den neunziger Jahren zum Diskurs der weltweiten Globalisierungskritik unter dem Motto „eine andere Welt ist möglich“ bei. Der Vortrag skizziert die Entwicklung von Ideen und Praktiken der Befreiungstheologie seit ihren Anfängen und begründet ihre aktuelle Relevanz, die nicht nur auf die Wahl des ersten lateinamerikanischen Papstes zurückzuführen ist.

„Wir haben unserem alten Menschen abgeschworen“ - Religiöse Konversion und die neue Unübersichtlichkeit bei Nahuas in Guerrero, Mexiko

04.12.2014 (Henry Kammler, München)

Anhand einer Nahuatl-sprachigen Region am Mittellauf des Río Balsas von Guerrero, Mexiko, wird im Vortrag aufgezeigt, wie parallel verlaufende soziale, politische und religiöse Ausdifferenzierung lokalspezifische Entwicklungs- und Aneignungsformen der „Modernisierung“ darstellen. Seit den 1980er Jahren haben in den sich damals als intern „homogen“ darstellenden indigenen Gemeinden Parteienpluralismus und mindestens sieben verschiedene Religionsgemeinschaften Einzug gehalten. Diese neue „Unübersichtlichkeit“ der verschiedenen religiösen, politischen und sozialen Loyalitäten wirft weitere Deutungsprobleme auf. Sie scheint u.a. identitätspolitische Strategien nach sich zu ziehen, die interkommunale Konflikte verstärken.

„Nationale Sicherheit“ oder Vereidigung der Menschenrechte? Die katholische Kirche in den Militärdiktaturen Chiles und Argentiniens, 1970-1990

11.12.2014 (Silke Hensel, Münster)

Seit den 1960er Jahren putschte das Militär in mehreren Ländern Lateinamerikas und etablierte zum Teil sehr langlebige Diktaturen, denen die Doktrin der „Nationalen Sicherheit“ als Legitimierung diente. Die Anhänger der Doktrin sahen die Nation von innen bedroht und machten diejenigen, die sich für einen sozialen Wandel einsetzten, als eine Gefahr aus. Das Militär ging in brutaler Weise gegen die vermeintliche Bedrohung der nationalen Sicherheit vor. Aufgrund des Verbots von Parteien und Gewerkschaften gab es nur wenige gesellschaftliche Akteure, die in der Zeit der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen ein Gegengewicht hätten einnehmen können. Potenziell gehörte die katholische Kirche zu diesen Kräften, da sie von den Militärs weitgehend geachtet wurde. Allerdings nutzte die Kirche nicht in allen Ländern das dem christlichen Glauben innewohnende und durch das zweite Vatikanische Konzil gestärkte Humanitätspotenzial. Während die Kirche in Chile relativ schnell die Gewalt der Militärs kritisierte und Organisationen zur Unterstützung der Opfer von Menschenrechtsverletzungen aufbaute, stellte sich der überwiegende Teil des Klerus in Argentinien auf die Seite der Militärjunta und kritisierte deren Vorgehen nicht. Der Vortrag wird diese unterschiedlichen Handlungsweisen beleuchten und die dahinter stehenden Gründe untersuchen.

Die Religion(en) und die „Verschwundenen"

18.12.2014 (Liliana Feierstein, Köln)

Als Einwandererland ist Argentinien von verschiedenen religiösen und kulturellen Traditionen geprägt. Besonders die katholische Kirche hat einen starken Einfluss, gleichzeitig beherbergt das Land auch eine der größten jüdischen Gemeinden weltweit. Diese Traditionen unterscheiden sich u.a. in ihrer Konzeption des Todes bzw. in den Begräbnisritualen sowie in den Formen der Trauerarbeit und der Gedächtnispolitiken. Mit den schmerzhaften Herausforderungen, die die Geschichte der Desaparecidos verursachten haben verschiedene Personen und Organisationen unterschiedliche Strategien entwickelt, um mit dieser offenen Wunde umzugehen. Meine Arbeit versucht, den ?Spuren in diesen Debatten und Praktiken nachzugehen, nicht nur in ihrem religiösen Inhalt, sondern auch in der immer häufiger verwendeten Inkorporation der Shoah als Deutungshorizont der Toten ohne Grab. 

Santería und andere Widerstandsreligionen

08.01.2015 (Michael Zeuske, Köln)

Während der Zeit des atlantischen Sklavenhandels kamen Millionen von versklavten Menschen in der Karibik an; nach Kuba besonders viele aus unterschiedlichsten Kulturen Afrikas. Sie hatten nichts Materielles mehr, nur noch ihre Traditionen und Erinnerungen. In der Sklaverei rekonstituierten sie sich als naciones (arará, mandinga, gangá, carabalí, lucumí, congo/ angola, etc.), meist um die Kerne von Sprachen, Initiationsritualen, Quasi-Verwandschaften und religiösen Praktiken. Ab etwa 1830-40 werden in den Quellen Umrisse unterschiedlicher Sklaven- und Widerstandskulte deutlich, die sich im Laufe des 19.-21. Jahrhunderts zu so genannten "Afro"-kubanischen Religionen entwickelten (Santería, Palo Monte, Vodú, etc.). Bei den Entwicklungen der transatlantischen religiösen Kulte spielten auch Schiffsmannschaften, Personal des Sklavenhandels und Köche ein wichtige Rolle (denn nur sie kamen regelmäßig nach Afrika und konnten Kultgegenstände, Pflanzen, Öl, Stoffe, Objekte transportieren und über neue Entwicklungen berichten). Der Vortrag zeichnet die historische Entwicklung der Santería auf Kuba nach.

Politik des Heiligen Geistes in Zentralamerika. Soziale Strategien der charismatischer Christen

15.01.2015 (Heinrich Schäfer, Bielefeld)

In Zentralamerika ist der Anteil nicht-katholischer Christen, insbesondere aus der Pfingst- und Neopfingstbewegung, mittlerweile auf etwa 40% der Bevölkerung gestiegen. Zugleich hat in den letzten zwanzig Jahren die katholische Charismatische Erneuerung einen Boom erfahren – ebenso wie in Guatemala auch die Maya-Spiritualität. Starke religiöse Überzeugungen, sehr häufig nach Art charismatischer Legitimation, üben somit auf das gesamte gesellschaftliche Leben starken Einfluss aus, nicht zuletzt in der Politik. Der Vortrag wird einen ‚Werkstattbericht‘ aus einem laufenden Forschungsprojekt über das religiöse Feld in Guatemala und Nicaragua geben und verschiedene Beobachtungen zur Diskussion stellen.

Rechtsextremer Antimodernismus – auch ein Teil des lateinamerikanischen Katholizismus

22.01.2015 - Gerhard Kruip (Mainz)

Kirche in Lateinamerika – das wird oft mit Basisgemeinden und Befreiungstheologie in Verbindung gebracht. Teile der katholischen Kirche standen jedoch auch auf der Seite der Militärdiktaturen. Sie pflegen auch weiterhin eine rechtsextreme Ideologie und vertreten auch innerhalb der Kirche traditionalistische Positionen. Wie ist dieses Phänomen zu erklären, welche Entwicklungen lassen sich absehen und wie gefährlich sind sie für die Modernisierungsprozesse lateinamerikanischer Gesellschaften und die anstehenden Reformen in der katholischen Kirche?

Hagamos lio – Franziskus, Papst „vom Ende der Welt“, Baumeister einer neuen Kirche?

29.01.2015 (Daniel Deckers, Frankfurt)

Mit der Wahl des Papstnamens „Franziskus“ erhob der argentinische Jesuit Jorge Mario Bergoglio den Anspruch, die katholische Kirche im Geist der mittelalterlichen Armutsbewegung und der Orientierung am Evangelium zu erneuern. Was hat der erste lateinamerikanische Papst seit März 2013 erreicht? Was droht zu misslingen und an Widerständen zu scheitern? Wie steht es um die Zukunft der weltgrößten Glaubensgemeinschaft?