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Ringvorlesung Lateinamerika: Mobilität, Identität und Globalisierung. Afrika und Lateinamerika im Fokus

Allgemeines

Seit vielen Jahren veranstalten das Zentrum Lateinamerika und der Arbeitskreis Spanien-Portugal-Lateinamerika eine Ringvorlesung zu kultur-, politik- und wirtschaftswissenschaftlichen Themen mit Lateinamerikabezug. Die Vortragsreihe richtet sich an Studierende aller Fakultäten der Universität zu Köln, an GasthörerInnen, LehrerInnen und SchülerInnen sowie die interessierte Öffentlichkeit und umfasst Beiträge herausragender nationaler und internationaler ExpertInnen verschiedener Fachbereiche.

Mobilität, Identität und Globalisierung. Afrika und Lateinamerika im Fokus

Im Sommersemester 2013 widmet sich die Ringvorlesung in Kooperation mit dem Institut für Ethnologie und dem Kernprofilbereich IV ("Sozioökonomischer, kultureller und politischer Wandel im Globalen Süden") der Universität zu Köln den Themenfeldern Mobilität, Identität und Globalisierung mit einem Fokus auf ausgewählten Regionen Afrikas und Lateinamerikas. Verschiedene Aspekte, die aus dieser Themenkonstellation hervorgehen, werden dabei in historischer als auch in synchron-komparativer Perspektive auf beiden Kontinenten betrachtet. Die Herausforderungen des globalen Wandels und lokale Anpassungsprozesse an den Klimawandel werden dabei ebenso beleuchtet wie die Politik der Indigenität und Fragen des Kulturerbes im urbanen Raum. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf globalen und regionalen Verflechtungsprozessen, insbesondere auf Migrationsbewegungen zwischen Land und Stadt und im transnationalen/transregionalen Raum. Darüber hinaus wird auf damit verbundene Identitätsbildungsprozesse rekurriert, welche durch diese Transformationen tiefgreifend geprägt werden und ihrerseits maßgeblich darauf einwirken.

Diese Dimensionen werden in der Ringvorlesung anhand von Vorträgen berücksichtigt, die sich sowohl mit den theoretischen Grundlagen dieser Dynamiken als auch mit ethnographischen und historischen Fallbeispielen beschäftigen.

Anmeldung

Die Ringvorlesung Lateinamerika ist Teil des Studium Integrale der Philosophischen Fakultät. B.A.-Studierende können für die regelmäßige Teilnahme und sowie das Verfassen eines Stundenprotokolls 2 CPs erhalten. Diplom- und Magisterstudierende melden sich, wenn sie eine Bescheinung über die Teilnahme benötigen, ebenfalls bei KLIPS an.

Für Studierende des Masterstudiengangs Regionalstudien Lateinamerika bildet die Ringvorlesung Teil des Ergänzungsmoduls 2. Auch diese müssen sich über KLIPS zur Veranstaltung anmelden. Anstelle eines Stundenprotokolls müssen sie einen kurzen Essay zum einem der in der Ringvorlesung behandelten Themen verfassen.

Termine im Sommersemester 2013

Die Ringvorlesung Lateinamerika findet jeweils donnerstags von 17:45 bis 19:15 in Raum S22 im Seminargebäude statt.

11.04.2013 Justice Lobbying and the Politics of Indigenous Identity in Africa and the Americas Ronald Niezen, Montreal
18.04.2013 Fluid entitlements: water allocations and water claims in Burkina Faso, West Africa Ben Orlove, Davis
25.04.2013 Kubaner in Angola. Interaktionen, Transfers und Kooperationen im Globalen Süden. Christine Hatzky, Hannover
02.05.2013 Vorlesungsausfall
08.05.2013 (Mittwoch) The Return of Khulekani Khumalo, Zombie Captive: Imposture, Law, and the Paradoxes of Personhood in South Africa. John and Jean Comaroff, Cambridge (US)
16.05.2013 Transnationale Migration: Ein Überblick Eveline Reisenauer, Bielefeld
23.05.2013 Vorlesungsausfall
30.05.2013 Vorlesungsausfall
06.06.2013 Die Macht der Dinge in transnationalen sozialen Räumen - Das Beispiel der Virgen del Cisne Eva Youkhana, Bonn
13.06.2013 Vorlesungsausfall
20.06.2013 Urban Governance und Festivalisierung in Südafrika Christoph Haferburg, Erlangen
27.06.2013 Kulturerbe und Kolonialität in Quito: Zwischen historischem Stadtzentrum und Shopping Center Olaf Kaltmeier, Bielefeld
04.07.2013 Maison Tropical oder die Kontroverse um das geteilte Architektur-Erbe afrikanischer Städte Kerstin Pinther, Berlin
11.07.2013 Kritische Überlegungen zu Thesen der fortschreitenden "Metropolisierung" in Brasilien am Beispiel von Rio de Janeiro Rainer Randolph, Rio de Janeiro
18.07.2013 Vorlesungsausfall

Justice Lobbying and the Politics of Indigenous Identity in Africa and the Americas

11.04.2013 (Ronald Niezen, Montreal)

The processes by which indigenous peoples define who they are, above all the ways in which they articulate and defend their collective rights as well as shape and represent their essential attributes, are now often “mediated” in collaboration with NGOs and oriented toward distant consumers of rights and culture. This has significant implications for both research methods and the effectiveness of strategies used in pursuit of collective rights. A comparison of rights campaigns in West Africa (the Tuareg) and Canada (the James Bay Crees), with additional consideration of rights campaigns in Latin America, reveals some of the outreach strategies and identity formations that are part of the international movement of indigenous peoples.

Fluid entitlements: water allocations and water claims in Burkina Faso, West Africa

18.04.2013 (Ben Orlove, Davis)

Water has emerged as a topic of interest in several areas within anthropology, including environmental anthropology, political anthropology, and science and technology studies; it is also central to sustainable development at large. The Comoé watershed in Burkina Faso, West Africa is a useful site for exploring the overlap of these different approaches. In this region, a large sugar-cane plantation manages reservoirs for its own use and for other groups downstream, including a regional town, rice-producing cooperatives and small-scale vegetable growers. There has been a history of political tension over water in recent decades, challenging the great power of the plantation. The patterns of conflict are somewhat altered by the introduction of new systems of integrated water resource management, broadly consonant with neoliberalism and decentralization currently in vogue internationally. This case suggests the importance of expanding the understanding of water politics beyond issues of allocation for use to broader concerns of control and of recognition of claims of entitlement. It also indicates the value of anthropology for water studies and vice versa.

The Return of Khulekani Khumalo, Zombie Captive: Imposture, Law, and the Paradoxes of Personhood in South Africa.

08.05.2013 (Jean and John Comaroff, Cambridge)

This paper tells the story of the death of a famous Zulu maskanda singer in 2010 – and his dramatic reappearance, to huge public interest, two years later. Resurrection? Return? Imposture? In unraveling the narrative of this event, we pose the question of how personhood is fashioned in contemporary South Africa, why imposture of all sorts has become epidemic in this postcolony, how to understand entrepreneurial self-making in the history of the neoliberal present.

Transnationale Migration: Ein Überblick

16.05.2013 (Eveline Reisenauer, Bielefeld)

Während klassische Integrationstheorien die Einwanderung von MigrantInnen als einmaligen und unidirektionalen Prozess konzipieren, der auf Dauer mit der Niederlassung im Einwanderungsland sowie dem Abbruch von Herkunftsbezügen einhergeht, lassen sich empirisch diverse grenzübergreifende Praktiken durch MigrantInnen und Nicht-MigrantInnen beobachten. MigrantInnen reisen während ihres Sommerurlaubes in ihr Herkunftsland oder senden Rücküberweisungen dorthin. Zurückgelassene Kinder von MigrantInnen schreiben Briefe oder E-Mails an ihre Eltern im Ausland. Migrantische UnternehmerInnen importieren kulturelle Produkte aus ihrem Emigrationsland. Und PolitikerInnen aus auswanderungsreichen Herkunftsregionen dehnen ihren Wahlkampf auf die Einwanderungsregionen ihrer potentiellen Wähler aus. Diese und ähnliche grenzübergreifende Phänomene sind seit den 1990er Jahren mittels einer transnationalen Perspektive in der Migrationsforschung zunehmend in den Blick gekommen. Es wird aufgezeigt, wie sich transnationale Praktiken durch MigrantInnen im Immigrationsland und ihren Kontaktpersonen im Emigrationsland theoretisch fassen lassen. Hierzu wird "transnational" in drei analytisch nützliche Konzepte zerlegt: Transnationalisierung, transnationale soziale Räume und Transnationalität.

Die Macht der Dinge in transnationalen sozialen Räumen – das Beispiel der Virgen del Cisne in Madrid

06.06.2013 (Eva Youkhana, Bonn)

Die in der Migrationsforschung als transnational bezeichneten sozialen Phänomene beschreiben die poltischen, ökonomischen und transkulturellen Dynamiken zwischen Menschen des Aus- und Einwanderungslandes, wobei eine nationale Perspektive und der Bezug auf Einwanderungsgruppen (ethnisch oder national definiert) die analytische Grundlage bilden. Der auch als methodischer Nationalismus bezeichnete Ansatz in der Untersuchung sozialer Dynamiken und Grenzziehungen ist in rezenten migrationstheoretischen Debatten kritisert worden (Wimmer 2009, Wimmer und Glick-Schiller, Scheibelhofer 2011), da Demarkationslinien angenommen werden, die für die Akteure in ihren Selbstbeschreibungen und Identifikationen unter Umständen weniger bedeutend oder wesentlich durchlässiger sind. Zudem rücken Einflussvariablen wie biographische Partikularitäten, institutionelle Machtansprüche sowie konkrete soziopolitische oder kulturelle Kontexte in den Hintergrund oder werden von der Analyse entkoppelt.

In der vorliegenden Untersuchung wird eine raumsensible und damit implizit interdisziplinäre Forschungsperspektive vorgeschlagen, die Repräsentationsräume, konkrete Orte und räumliche Praktiken als Forschungsgegenstand wählt und damit versucht, essentialisierende Ordnungsvorstellungen in der Migrationsforschung zu umgehen. Am Beispiel der katholischen Kirchengemeinde San Lorenzo in Lavapiés, die durch die konfliktbelastete Initiative einer NGO zu einem Referenzpunkt für zunächst ekuadorianische und später weitere Einwanderer aus Lateinamerika geworden ist, wird aufgezeigt, welche Wirkkraft und Handlungsmacht religiöse Artefakte in der Aushandlung von Zugehörigkeit und der Verteilung von Ressourcen haben. Indem das Objekt selbst, nicht deren Inhalt ins Zentrum der Betrachtung rückt, zeigen sich die in den jeweiligen Kontexten eingebundenen Funktionen und die kulturell bedingten Bedeutungen der Figur. Die Virgen del Cisne steht beispielhaft für den Machtanspruch der katholischen Kirche in Lateinamerika seit der Kolonialzeit. Die Kirchengemeinde San Lorenzo in Lavapiés zeigt sich als Verdichtungsraum für zirkulierende Prozesse, die viele historische Kontinuitäten, aber auch Brüche in den vorherrschenden sozialen Ordnungen der Migrantinnen beschreiben.

Urban Governance und Festivalisierung in Südafrika

20.06.2013 (Christoph Haferburg, Erlangen)

Das Leitbild einer integrierenden Stadtplanung, das in den 1990ern den Übergang zur Postapartheid prägte, hat sich weder in Johannesburg noch in anderen Städten Südafrikas erfüllt. Stattdessen strahlen internationale Standardisierungsimpulse (z.B. im Bereich der Immobilienmärkte) und Festivalisierungsstrategien (die ihren bislang sichtbarsten Ausdruck in der Ausrichtung der Fußball-WM 2010) ebenso auf die Stadtentwicklung aus wie die Suche nach einer gemeinsamen Perspektive der Postapartheid.

Vor dem Hintergrund dieser Dynamiken wird der Vortrag anhand von Beispielen skizzieren, wie sich aktuelle Urban-Governance-Prozesse auf unterschiedlichen Maßstabsebenen darstellen, welche Argumentationen und Leitbilder dabei formuliert werden und wie vor diesem Hintergrund mit den Anforderungen und Auswirkungen der Fußball-WM 2010 umgegangen wurde bzw. welche Probleme und Chancen sich daraus ergeben.

"Maison Tropical" oder die Kontroverse um das geteilte Architektur-Erbe afrikanischer Städte

04.07.2013 (Kerstin Pinther, Berlin)

Gleich der mehrfach beschriebenen Papyrusrolle erweisen sich urbane Landschaften in Afrika oftmals als Palimpsest verschiedener – (prä-)kolonialer sowie postkolonialer – architektonischer Schichten. Anhand ausgewählter Fallbeispiele soll nicht nur der Frage nachgegangen werden, wie (mitunter umstrittene) Relikte vergangener Zeiten Eingang in gegenwärtige Architekturen gefunden haben; vielmehr soll auch der Umgang mit den Bauten und Siedlungsanlagen einer transkulturellen Architektur-Moderne betrachtet werden. Jenes architektonische und urbanistische Erbe so unterschiedlicher Städte wie Algier, Brazzaville oder Johannesburg (um nur einige zu nennen) ist von besonderer Ambivalenz, steht es doch für  die Kontinuitäten und Brüche zwischen Kolonialismus und Dekolonisierung oder wie der Architekturhistoriker Jean-Louis Cohen (2006) schrieb, zwischen „Unterdrückung und den Versprechen der Modernisierung“. Teils in Rückgriff auf künstlerische Auseinandersetzungen mit dem ‚geteilten‘ Architektur-Erbe, teils in Bezug zu eigenen Feldstudien will meine Präsentation einen Beitrag zu dem relativ jungen Forschungsfeld der auf afrikanische Städte fokussierten Architekturforschung leisten.

 

Kritische Überlegungen zu Thesen der fortschreitenden "Metropolisierung" in Brasilien am Beispiel von Rio de Janeiro

11.07.2013 (Rainer Randolph, Rio de Janeiro)

In diesem Vortrag wird Rainer Randolph, seit 1980 Professor Titular an der Bundesuniversität von Rio de Janeiro (UFRJ) und seit 2012 Direktor des Instituts für Stadt- und Regionalforschung und –Planung (IPPUR) der UFRJ, zunächst auf die Begriffe der Urbanisierung und Metropolisierung und deren historischen Ausdruck eingehen. Desweiteren wird er zwei Thesen zur Bedeutung der räumlichen Ausbreitung lateinamerikanischer Metropolen präsentieren. Weiterer Gegenstand der Vorlesung werden Migration und Pendelbewegungen der Bevölkerung im Inneren und an den Rändern metropolitaner Regionen sein. Abschließend stellt er das Beispiel "Rio de Janeiro: eine Metropole in ihrem touristischen Umfeld" vor.